29.07.15 10:00 Alter: 2 yrs

Einsätze steigen – Feuerwehr in Not

Von: Hannelore Kuschy

Vetschaus Stadtbrandmeister Holger Neumann blickt mit Sorge auf das zweite Halbjahr


Fotos: Ho. Neumann (Archiv)

Die Vetschauer Feuerwehr hilft gern, kann sich aber nicht mehr selbst helfen. Schon heute ist die Zahl der Einsätze vom gesamten Jahr 2014 nahezu erreicht. "Wohin soll das noch führen?" Die Frage wirft Vetschaus Stadtbrandmeister Holger Neumann auf.

Nachwuchssorgen, die hat wohl fast jede freiwillige Feuerwehr im Kreis. Jüngster Versuch, Kinder und Jugendliche für das ehrenvolle Amt zu begeistern, haben die Vetschauer erfolgreich mit einem Wochenend-Zeltlager unternommen. Der Schuh aber drückt noch ganz woanders.

Seit dem Jahr 2011 steigen die jährlichen Einsätze der Feuerwehr stetig – von 64 auf 75, dann 88 und im vorigen Jahr auf 92. "2015 sind bis heute unsere Leute zu 85 Einsätzen gerufen worden. Bei den wenigsten musste Feuer gelöscht werden", erklärt Stadtbrandmeister Holger Neumann. 70 Mal seien die Männer und Frauen zwecks Hilfeleistungen alarmiert worden. Er nennt Beispiele: "Durch den Sturm in letzter Zeit waren viele Äste auf Straßen gefallen. Und natürlich sind wir da, um zu helfen. Das machen wir auch gern. Aber in vielen Fällen wäre es ein Leichtes gewesen, den Ast selbst von der Straße zu ziehen. Oder: Wir tragen die Trage bei Rettungseinsätzen. Und helfen Rehen aus der Klemme. Auch Türnotöffnungen werden häufiger."

Wie oft sind es Stunden mitten in der Nacht, bis der Bauarbeiter, der Maler, der Lkw-Fahrer, der Klempner, ja auch der von nebenan, wieder zu Hause ist und zur Ruhe kommt. Frühmorgens geht es wieder raus zur Arbeit, nicht selten müde vom Einsatz. Übers Jahr geht es außerdem zu Übungen, Ausbildungen und Gesundheitschecks.

Die steigende Zahl der Einsätze gehe an die Substanz der Feuerwehrleute, stellt Holger Neumann fest. In der Stadt verringere sich der Zulauf zur Feuerwehr, der Altersdurchschnitt wachse, und die jungen Leute der Jugendwehr verlassen nach der Schule meist die Stadt. Am Tag seien nur wenige Feuerwehrleute verfügbar. Seit Jahren aber, so Neumann, habe sich in den Ortsteilen ein Generationswechsel vollzogen. "Von dem Konzept, das wir vor Jahren umgesetzt haben, zehren wir heute, denn jede Wehr kennt ihre spezifische Aufgabe, ist entsprechend ausgerüstet und zuverlässig", hebt er hervor. Dennoch würden die vielen und manchmal auch unnötigen Einsätze zu keiner guten Stimmung führen, die vor allem nachts gefährlich werden kann. "Das Beängstigende für mich ist, dass weder beim Bund noch beim Land ein Rezept in Sicht ist", sagt der Stadtbrandmeister.

Quelle: Lausitzer Rundschau

 

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